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KULTURARBEIT AN SCHULEN – PILOTPROJEKT

Wir wollen dem ‚Unterrichten‘ ein neues Gesicht geben. Unterricht und Lernen ist in unserem Verständnis nicht (allein) die Aufnahme bekannten Wissens und dessen Wiederholung. Wir verstehen unter Lernen, einen Prozess aufzusetzen, durchzuführen und auszuwerten, dessen Ergebnis nicht feststeht. Die beteiligten Personen gestalten ein Projekt während seiner Laufzeit, verändern es, passen es an und sind gleichzeitig auf ein vorzeigbares Produkt orientiert.

Ulrike Kegler, Mitglied des Kuratoriums und Projektleitung Pilotphase „Kulturarbeit an Schulen“

Projektbeschreibung:

Die zunehmende Vielfalt und Diversität an den Schulen erfordert einen erweiterten Bildungs- und Lernbegriff. Fachbezogene Lehrplanorientierung und Theorieüberschuss müssen durch neue Methoden und Erfahrungsräume für alle Beteiligten ergänzt und verändert werden. Jugendliche brauchen neue Impulse, die über das Lernen für Prüfungen hinaus gehen und Gemeinschaftserlebnisse und Zugehörigkeit fördern.

Oft sind es kulturelle Erlebnisse und Arbeitsprozesse, die, bewusst geschaffen und in den Schulalltag integriert, diese Möglichkeit eröffnen. Besonders in den Sekundarstufen und damit für Schüler*innen zwischen 12 und 16 Jahren haben sich kulturelle Praxiserfahrungen als äußerst förderlich in diesem Sinne erwiesen. Theaterproduktionen, Kunstprojekte, Musik- und Tanzperformances, gemeinschaftsbildendes Kochen und Ernährungsprojekte sowie große Handwerksarbeiten bieten Jugendlichen herausfordernde Aufgaben, an denen sie Selbstwirksamkeit und Selbstausdruck erleben können.

Genau hier setzt das Pilotprojekt „Kulturarbeit an Schulen“ an: Schulen aller Schularten der Sekundarstufe 1 können sich bei der NEUMAYER STIFTUNG für ein zeitlich begrenztes Projekt aus den Bereichen Theater, Kunst, Handwerk, Tanz oder Kochen bewerben. Der Kulturbegriff ist dabei absichtlich weit gefasst. Begleitet und durchgeführt wird das Projekt von außerschulischen Expert*innen, die von den Schulen eigenständig ausgewählt werden. Das Projekt findet mit allen Jugendlichen eines Jahrgangs und für einen begrenzten Zeitraum von mindestens zwei Wochen – anstelle des regulären Unterrichts – statt.

Außerschulische Expert*innen, die zeitlich begrenzt in die Schule geholt werden, spielen in der Projektkonzeption eine wesentliche Rolle. Sie verkörpern andere Lebensbereiche und erweitern die eindimensionale Laborperspektive der Schule. Die Zusammenarbeit mit den Lehrer*innen während des gesamten Prozesses ist hierfür eine wesentliche Voraussetzung.
Angeleitet durch Menschen aus verschiedenen Berufsbereichen und kulturellen Hintergründen erleben Schüler*innen Expertise, gestalten Prozesse von Anfang bis Ende und erfahren darin gemeinschaftlich das unumgängliche Zusammenspiel von Anstrengung (Prozess) und Erfolg (Produkt). 

Projekte sind eine hochrelevante Arbeitsform in der modernen Arbeitswelt geworden. Menschen mit verschiedenen Kenntnissen arbeiten fächerübergreifend nach einem Plan an einem gemeinsamen Ziel und Produkt. Diese Grundkompetenz muss heute in Schule gelernt und implementiert werden.

Barbara Riekmann, Mitglied der Club of Rome Schulen und Projektleitung Pilotphase „Kulturarbeit an Schulen“

Projektziele in der Pilotphase (2021-2023):

In klug arrangierten „Settings“ können Jugendliche mit verschiedensten sozialen und kulturell-religiösen Hintergründen im Rahmen des von der NEUMAYER STIFTUNG geförderten Pilots „Kulturarbeit an Schulen“ miteinander ihre Fähigkeiten ausprobieren, sich von anderen Seiten kennen lernen und gemeinschaftlich ohne Konkurrenzprimat auf ein Produkt und einen gemeinsamen Erfolg hinarbeiten.

Diese Gemeinschaftsleistung wird abschließend veröffentlicht sowie zur Diskussion gestellt – und sorgt so nicht nur für Sichtbarkeit, sondern hat Auswirkungen auf das Verständnis von Lehre und Lernen.

Projektort:

Ausgewählte Schulen aller Schularten in der D-A-CH-Region

Projektstart:

Das Projekt „Kulturarbeit an Schulen“ startete mit im Schuljahr 2021/22 mit dem ersten Pilotjahrgang. Aktuell läuft die Bewerbungsphase für den zweiten Pilotjahrgang im Schuljahr 2022/23.

Zielgruppe(n) des Projekts:

Am Pilotprojekt 2021/22 nehmen insgesamt acht Schulen teil – für den Pilotjahrgang 2022/23 werden insgesamt fünfzehn Schulen berücksichtigt. Voraussetzung ist die Beteiligung möglichst aller Schüler*innen eines Jahrgangs (Sekundarstufe I, Jahrgang 7–10). Jede Schule soll durch die Schulleitung als Projektvorstand und eine projektverantwortliche Lehrkraft vertreten sein. Das Projekt muss durch externe Expert*innen durchgeführt werden. Eine offene und experimentierfreudige Grundhaltung und eine verbindliche Teilnahme aller Projektbeteiligter werden vorausgesetzt.

Projektauswahl:

Durch das Auswahlgremium der NEUMAYER STIFTUNG werden im Pilotjahrgang 2022/23 insgesamt fünfzehn Schulen für die Förderung ausgewählt.

Ziel der Förderung:

Planung und Erprobung des Projektkonzeptes im Rahmen des Piloten. Zukünftig sollen regelmäßig pro Schuljahr dreißig Kulturprojekte an Schulen durch die NEUMAYER STIFTUNG gefördert werden.

Art der Förderung:

Die NEUMAYER STIFTUNG fördert kulturelle Projekten an den ausgewählten Schulen mit bis zu 10.000,00 € pro Schule. Im Rahmen des Pilotprojekts organisiert die NEUMAYER STIFTUNG einen Auftakt-Workshop zu Schuljahresbeginn. Hier werden die Projekte der am Pilotprojekt beteiligten Schulen gegenseitig vorgestellt,  Anregungen ausgetauscht und Projektideen vertieft. Ein eintägiger Workshop im Oktober 2022, bei dem Ergebnisse präsentiert und Erfahrungen ausgetauscht werden sollen, schließt das das Pilotprojekt ab. Der Pilotjahrgang wird durch eine professionelle Evaluation begleitet.

Laufzeit der Förderung:

einmal pro Schuljahr

2 Fragen an … die Projektleiterinnen Ulrike Kegler und Barbara Riekmann

Wofür steht Ihr Projekt?

Ulrike Kegler: Projektunterricht ist immer noch ein Randphänomen im didaktisch-methodischen Spielfeld Schule. Dabei wollen Jugendliche wirksam sein, sich mit realen und relevanten Problemen beschäftigen und im Ergebnis eine Verbesserung oder Veränderung der Wirklichkeit erreichen. Expert*innen werden im Rahmen unseres Projektes dazu beitragen, diese Relevanz in die Schule zu bringen. Sie sind es gewöhnt ‚Ernst zu machen‘, eine Kompetenz, die in dem artifiziellen Übungsraum Schule zu oft fehlt, vor allem, wenn es um gemeinschaftliche Leistungen geht.

Zudem sind Schulen, an denen Lehrerinnen und Lehrer unter der proaktiven Förderung ihrer Schulleiterinnen und Schulleiter interkulturelle Projekte mit Experten in ihr Curriculum integriert haben, nachweislich inklusiver und verstehen sich zunehmend als lernende Institution.


Was möchten Sie mit Ihrem Projekt erreichen, welche Ziele verfolgen Sie?

Barbara Riekmann: Vielfach haben die besonderen Herausforderungen in der Corona-Pandemie dazu geführt, dass alle kreativen und inspirierenden Aufgaben in den Hintergrund gerieten, um den gewohnten Schulbetrieb unter den schwierigen Bedingungen zu organisieren. Dabei könnten Potentiale und Spielräume übersehen worden sein, die ein hybrides Bildungssystem neben allen Schwierigkeiten auch hervorgebracht hat.

Gerade jetzt, so unser Ansatz, hat sich gezeigt, dass ein Festhalten an der alten Präsenz- und Prüfungspraxis, am Einzelkämpfertum im Lehrberuf und an der Dominanz des fachlichen vor dem Interdisziplinären nicht mehr den alleinigen Zugang zu innovativer Bildung sicherstellen zu können. Gerade jetzt, und ohne lange zu warten, wollen wir die Situation nutzen. Unterricht kann auch anders sein, das haben wir alle gerade nachhaltig gelernt. Nicht „trotz Corona“, sondern ‚mit Corona und nach Corona‘ nutzen wir die Chance für eine veränderbare Schulkultur.

Kontaktdaten des Projektträgers:

NEUMAYER STIFTUNG
Königsstraße 28
70173 Stuttgart
E-Mail: kulturarbeit-an-schulen@neumayer-stiftung.de
www.neumayer-stiftung.de

Aktuelles zu den Förderkriterien:

Wenn Ihre Schule keinen Schulförderverein besitzt, ist die Förderung unter Umständen
trotzdem möglich.
Sprechen Sie uns an!