SYSTEMISCHE ELTERNARBEIT IM PESTALOZZI KINDER- UND JUGENDDORF WAHLWIES

Im Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf untergebrachte Kinder leben zwar getrennt von ihren Eltern und wachsen in familienähnlichen Gemeinschaften heran, doch in ihrer Seele sind sie an die Herkunftsfamilie gebunden. Die Kinder und Jugendlichen brauchen Bezugspersonen, die ihre Eltern achten und würdigen und nicht wertend auf sie schauen.

Petra Bärenz, Ressortleiterin Pädagogik

Projektträger:

Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf Wahlwies e.V.

Das Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf Wahlwies ist ein Ort für Kinder und Jugendliche in sozialen Notlagen. Hier finden sie Menschen, die sich ihnen zuwenden. Die familienanaloge Betreuung steht in der unabhängigen, überkonfessionellen Jugendhilfeeinrichtung am Bodensee im Mittelpunkt. Eine Schule für Erziehungshilfe und neun Ausbildungsbetriebe vervollständigen das Betreuungsangebot.

Das Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf ist eine Dorfgemeinschaft, die den Kindern einen guten Entwicklungsraum anbietet. Hier werden die Kinder und Jugendlichen individuell gefördert und erleben vom Kindergarten über die Schule bis zur Ausbildung eine Erziehung von „Kopf, Herz und Hand“.

Die systemische Elternarbeit im Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf schlägt eine Brücke zwischen den pädagogischen Fachkräften im Dorf und den biologischen Eltern der Kinder. Orientiert an der Bedürfnislage und den Ressourcen der Herkunftsfamilien werden die Eltern bei der Aufnahme, Erziehungsplanung und der täglichen Arbeit soweit wie möglich einbezogen. Die betreuten Kinder und Jugendlichen werden dabei unterstützt, möglichst harmonischen und engen Kontakt zu ihren Eltern haben zu können, wie er eben in allen Familien wünschenswert ist.

Die Arbeit der Elternbegleitung erleichtert die Zusammenarbeit mit den Eltern, da sie bei Konflikten und Polarisierungen entschärft. Sie entlastet uns in der Elternarbeit, da die Eltern nun eine Stelle haben, die sich gezielt um sie, ihre Probleme und deren Lösung kümmert.

Andrea Rothbauer, Pädagogische Mitarbeiterin in einem der Dorfhäuser

Projektbeschreibung:

Das Angebot der „Intensiv Systemischen Eltern- und Familienarbeit“ wurde 2016 eingeführt und soll die Zusammenarbeit zwischen Kinderdorffamilie und leiblichen Eltern unterstützen und entlasten. Eltern sollen in ihrer Verantwortung und in ihrer Beziehung zu ihren Kindern unterstützt und gestärkt werden.

Mit dem gelingenden Kontakt zu den Eltern erhöhen sich die Chancen der Kinder zur persönlichen Weiterentwicklung und damit auch einer möglichen Rückführung. Kinder und Jugendliche können sich in den Wohngruppen nur dann positiv entwickeln, wenn ihre Eltern damit einverstanden sind. Um Widerständen und Vorbehalten zu begegnen, gibt es mit der Elternbegleiterin eine Art unabhängige Unterstützung, die Schnittstelle zwischen den Herkunfts- und Betreuungsfamilien ist.

Die Schwerpunkte der systemischen Arbeit mit der Herkunftsfamilie sind Entspannung in das Familiensystem zu bringen und eine vertrauensvolle Erziehungspartnerschaft aufzubauen. Durch Rollen- und Perspektivklärung in der Arbeit soll Erziehungskompetenz gestärkt und erweitert werden. Eine mögliche Rückführung der Kinder wird durch gezielte und individuelle Unterstützung gefördert.

„Deine Eltern bleiben Deine Eltern.“

Im Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf untergebrachte Kinder leben zwar getrennt von ihren Eltern und wachsen in familienähnlichen Gemeinschaften heran, doch in ihrer Seele sind sie an die Herkunftsfamilie gebunden.

Wir brauchen die Eltern, weil wir wissen, dass sie für die Kinder und Jugendlichen zentrale, identitätsstiftende Personen waren, sind und bleiben.

Die Kinder und Jugendlichen brauchen wiederum Bezugspersonen, die ihre Eltern achten und würdigen und nicht wertend auf sie schauen, die die Lebensumstände ihrer Eltern verstehen wollen und sie gemäß ihrer Möglichkeiten in die erzieherische Verantwortung einbinden.

Mission Statement

Projektziele:

Die Verbesserung der Beziehung zwischen leiblichen Eltern und Kindern steht im Mittelpunkt des Projektes, um die elterlichen Kompetenzen wieder zu stärken, bei der Reflexion der Ursachen für die Unterbringung der Kinder im Kinderdorf zu unterstützen und bei guter Entwicklung gegebenenfalls die Rückführung in die Herkunftsfamilie anzustreben.

Projektort:

Ortenaukreis, Baden-Württemberg

Projektstart:

2016

Zielgruppe(n) des Projekts:

Kinder, Jugendliche und leibliche Eltern, die aufgrund einer Notlage in der Familie in Kontakt mit dem Kinder- und Jugenddorf gekommen sind, ebenso wie die bestehenden Kinderdorffamilien.

Ziel der Förderung:

Die NEUMAYER STIFTUNG möchte das Angebot der „Intensiv Systemischen Eltern- und Familienarbeit“ sichern und einen weiteren Ausbau ermöglichen, um zur nachhaltigen Verbesserung der Beziehung zwischen Kindern und leiblichen Eltern beizutragen.

Art der Förderung:

Förderung von Personalkosten

Laufzeit der Förderung:

Dezember 2018 – Dezember 2021

3 Fragen an … Petra Bärenz, Ressortleiterin Pädagogik

 

Wofür steht Ihr Projekt?

Wir verstehen Elternarbeit nicht nur als ein Angebot zur Mitarbeit, sondern auch als Weg der Wiedererstarkung der elterlichen Würde. Wir nehmen die Eltern auf Augenhöhe wahr und verstehen unsere Arbeit mit ihnen als Erziehungspartnerschaft.


Was möchten Sie mit Ihrem Projekt erreichen, welche Ziele verfolgen Sie?

Eltern begegnen uns in verschiedenen Rollen, als Auftraggeber für eine Hilfe, als Unterstützung im Zugang zum Kind, als abwesende Fremde in einer Akte, als misstrauische oder bedürftige Suchende, als feindselige „Verhinderer“, manchmal auch als Quelle von Leid für das Kind. Immer wieder stehen wir vor der Frage, wie es uns gelingen kann, Eltern so anzusprechen, dass wir sie als Arbeits- und Erziehungspartner gewinnen können. Dazu brauchen wir eine grundlegend wertschätzende Haltung gegenüber den Eltern, fachliches Know-How, Techniken und Methoden der Gesprächsführung und kreative Ideen zur Schaffung von Begegnungsräumen. Dies zu entwickeln und zu gewährleisten ist die Aufgabe der Elternbegleiterin.


Wie erleben Sie die Förderung der NEUMAYER STIFTUNG, wie ist Ihr Verhältnis zur Stiftung, wie würden Sie diese beschreiben?

Die Stiftung ist inhaltlich und fachlich sehr interessiert. Die Förderung ist engagiert, nachhaltig und zukunftsorientiert, da das Angebot erhalten und ausgebaut werden soll!

In einem Fall waren die Eltern gegenüber dem Jugendamt und uns als Einrichtung der Jugendhilfe extrem negativ eingestellt. Es konnten nur zeitlich sehr begrenzte, begleitete Umgänge durchgeführt werden, die jedes Mal sehr angespannt waren und weder für die Eltern noch das Kind gut waren, so dass die Gefahr bestand, dass die Umgänge ganz eingestellt werden müssten.

Durch die intensive Arbeit der Elternbegleitung entstand nach und nach mehr Klarheit über den Grund der Unterbringung und eine höhere Akzeptanz seitens der Eltern gegenüber der Jugendhilfemaßnahme.

Nach etwa einem Jahr hat sich die Situation derart entspannt, dass mittlerweile sogar unbegleitete Besuche mit Übernachtung stattfinden können. Und alle profitieren davon.

Besonders wertvoll war der „Vätertreff“ der vor einiger Zeit zum ersten Mal stattgefunden hat. Väter haben dort nach einer Diskussion über ihre Vaterrolle unter Erwachsenen, gemeinsam mit ihren Kindern kleine Boote gebaut und in einem Bach fahren lassen. Das war für Kinder und Väter und auch für die Elternbegleitung ein absolutes Highlight, von dem die Kinder teilweise noch Monate später im Hilfeplangespräch erzählten.

Martin Heller, Erziehungsleitung (Kinderdorfeltern)

Kontaktdaten des Projektträgers:

Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf Wahlwies e.V.
Pestalozzi-Kinderdorf 1
78333 Stockach-Wahlwies
Telefon: +49 (0)7771 8003123 Fax: +49 (0)7771 800320
E-Mail: m.schneider@pestalozzi-kinderdorf.de
www.pestalozzi-kinderdorf.de